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2. Sinfoniekonzert am 17.03.2013

2. Sinfoniekonzert
Sonntag, 17. März 2013, 19.00 Uhr, Kieler Schloss
J. C. de Arriaga   Ouvertüre zur Oper "Los esclavos felices"
F. Chopin   Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 e-Moll op. 11*
M. de Falla   Auszüge aus "Der Dreispitz" (El Sombrero de tres Picos)
*Solistin: Linnéa Benson

 

Kieler Nachrichten vom 19.03.2013

Glasperlen und Notenwirbel

Kiel - Linnéa Benson ließ im Kieler Schloss keinen Zweifel aufkommen: Frédéric Chopin? Das bin jetzt ich. Mit spürbarer Energie und Nervenstärke packste sie den Solo-Part im e-Moll-Klavierkonzert op. 11 des jungen polnischen Virtuosen an, gab sich dem Rausch der Skalen hin.
Noch eindrucksvoller als diese motorische Stabilität und tonlich kernige Präsenz der 16-jährigen Schülerin aber war ihr Gespür für lichte poetische Kontraste, für kleine Klangereignisse wie das Glasperlen-Klirren in der Miniatur-Kadenz gegen Ende der Romanze oder auch für den rhythmisch leicht gestelzten Charakter des Krakowiak-Tanzes im Finale. Das zeugte von hellhöriger Musikalität.
Das Orchester am Ernst-Barlach-Gymnasium, das auch in den Bläser-Reihen derzeit fast ohne die Unterstützung durch alte Hasen auskommt, erwies sich unter der Leitung von Neil Fellows als vorsichtig verlässlicher Partner. Manchmal wirkte der Strich der Streicher noch etwas zu schüchtern, um die kraftvoll klaren Klavierkaskaden auf frühromantischen Wolken zu tragen. Die beherzte Konzertmeisterin Swaantje Kaiser darf da gerne zum Vorbild genommen werden. Freude bereiteten dafür etliche Soli in den Bläsern – zum Beispiel beim innigen Dialog des Fagotts mit dem Klavier.
Dieser Gruß an die Chopin-Pilgerstätte Mallorca, Tournee-Ziel im April, wurde sinnig ergänzt durch spanische Musik. War das „Notenfressen“ in der etwas länglichen Ouvertüren-Rarität Los esclavos felices des jugendlichen „spanischen Mozart“ (hier eher spanischen Rossini) Juan Crisóstomo de Arriaga noch etwas mühsam gewesen, blühte das Orchester spätestens im Danza del molinero aus Manuel de Fallas Dreispitz-Ballett auf.
Zunehmend spürte man nun die Lust an rhythmischen Hakeleien, kleinen Soli und verwirbelten Klangflächen. Bei der Zugabe-Wiederholung des Danza final, wahrlich kein leichtes Stück, platzten dann die allerletzten Knoten: Mitreißend frei, frisch und frech ging das gefeierte Konzert zu Ende.

Christian Strehk