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2. Sinfoniekonzert am 29.03.2010

2. Sinfoniekonzert
Mittwoch, 29. März 2010 • 19.00 Uhr • Konzertsaal im Schloss
F. Schubert   Zwischenaktmusiken Nr. 3a und Nr. 5 (D797) aus "Rosamunde"
R. Strauss   Vier letzte Lieder*
C. Franck   Sinfonie d-Moll
* Solosopran: Manuela Uhl

 

Kieler Nachrichten vom 31.03.2010:

Ein schönes Versprechen

Sinfonieorchester am Ernst-Barlach-Gymnasium unter Neil Fellows

Es ist wie stets Verlass auf die Konzerte des Sinfonieorchesters am Ernst-Barlach-Gymnasium, das sich unter seinem Dirigenten Neil Fellows am Montag in Bestform präsentiert. Gut fünf Jahre nachdem dieser den Taktstock von seinem Vorgänger Robert König übernahm, hat sich der einst mit viel Dampf musizierende Klangkörper in einen Verbund mit kammermusikalischen Qualitäten verwandelt: die reine Freude, in dieses Orchester hineinzuhören, während es zur Eröffnung seines 2. Saisonkonzerts im gut besuchten Kieler Schloss Franz Schuberts Zwischenaktmusik aus Rosamunde D797 spielt. Fellows präsentiert die „Nr. 3a“ und „Nr. 5“ gänzlich unaufgeregt, so dass die Musik im Ausdruck leicht zurückgenommen wirkt. Zugleich aber treten vor diesem Hintergrund Details hervor, die man sonst leicht überhört. Man kann nur mutmaßen, wie viel Arbeit es kostet, auch ein versiertes, durch einige Profis verstärktes Schulorchester auf dieses technische Niveau zu bringen.
Dieser Eindruck bestätigt und vertieft sich, als Fellows mit seinen jungen Musikern dann Richard Strauss‘ Orchesterliedzyklus Vier letzte Lieder präsentiert, ein selbst für semiprofessionelle Klangkörper tückisches Spätwerk des Komponisten. Das Sinfonieorchester nimmt sie allesamt durchaus zügig, präsentiert jedes der vier Lieder aber trotzdem als Feinzeichnung, wobei Soloviolinisten Patricia Hevicke schöne Finesse beisteuert.
In diesem Sinne hat es sich seinen Stargast durchaus verdient: Manuela Uhl, als früheres Ensemblemitglied der Kieler Oper schon lange stadtbekannt, feiert heute auf den großen Bühnen der Opernwelt Erfolge. Ihr Sopran übt in seiner jetzigen Gestalt eine ungeheure Faszination aus. Scheinbar Gegensätzliches ist darin vereint: insbesondere geerdete Kraft und von allem Irdischen befreiter Ausdruck. Immer wieder beeindruckt Uhl, in deren Stimme so viel schöne Dunkelheit und Tiefe wohnten, durch Passagen, in denen gleißendes Licht ihr Timbre zu bestimmen scheint. Ein Teil dieser Stimme bleibt dabei stets Geheimnis, und darin liegt ihr enormer Reiz.
Allerdings: Eine wirklich „reife“ Leistung ist hier jenseits dieser prinzipiellen Anziehungskraft noch nicht zu erleben. Dafür wirkt Uhls Interpretation der Lieder stellenweise noch zu heterogen. Regelmäßig wirkt der sängerische Fluss hier leicht gezügelt, bleibt seine Verbindung zum Orchester – auch hinsichtlich der Lautstärke – instabil. So wirkt ihre Interpretation noch wie ein Versprechen, auf dessen Einlösung man sich jetzt schon freuen darf.
Mit überzeugender Dynamik interpretiert das Orchester nach der Pause César Francks Sinfonie in d-Moll. Auch hier hat Neil Fellows in der Probenphase ganze Arbeit geleistet, sitzt deswegen jetzt jede Wendung. Großer Applaus und berechtigte Bravi.

Oliver Stenzel