dummybild-oben

3. Sinfoniekonzert am 13.06.2010

3. Sinfoniekonzert
Sonntag, 13. Juni 2010 • 17.00 Uhr • Konzertsaal im Schloss
N. W. Gade   Ouvertüre "Nachklänge von Ossian" op. 1
E. Grieg   Klavierkonzert a-Moll op. 16*
J. Sibelius   Sinfonie Nr. 5 Es-Dur op. 82
* Soloklavier: Yoko Johannsen

 

Kieler Nachrichten vom 15.06.2010:

Hürdenreiche Reise in den Norden

Orchester am Ernst-Barlach-Gymnasium konzertierte im Kieler Schloss

Kiel – Skandinavisch gestimmt zeigten sich die Musikerinnen und Musiker des Sinfonieorchesters am Ernst-Barlach-Gymnasium Kiel. Am Sonntag warteten sie unter der bewährten Leitung von Neil Fellows im nur mäßig besuchten Kieler Schloss mit drei spätromantischen Werken dänischer, norwegischer und finnischer Provenienz auf. Zunächst entwarfen die jungen Akteure mit Niels Gades Ouvertüre Nachklänge von Ossian op. 1 ein atmosphärisches Bild vergangener Zeiten keltisch-mythologischer Couleur, welches der Komponist musikalisch nachgezeichnet haben soll, als er tiefe Eindrücke während einer Reise durch Schweden und Norwegen gesammelt hatte.
„Echt“ norwegisch dann das einzige Klavierkonzert a-Moll op. 16 von Edvard Grieg. Die in Tokio geborene Yoko Johannsen konnte als Solistin gewonnen werden, die mit zurückhaltender Leidenschaft begann. Doch blieb sie auch im weiteren Verlauf hinter hohen Erwartungen zurück, setzte kaum mitreißende Impulse. Ihr lyrisch unaufgeregtes, dynamisch aber wenig inspiriertes und technisch nicht ganz makelloses Spiel wirkte insgesamt merkwürdig brav. Dabei brauchte die Solistin eigentlich keinerlei Rücksicht auf das Orchester zu nehmen, da dieses sie beherzt mit großem Ton und viel Engagement begleitete.
Von einer anderen Tonsprache ist Jean Sibelius‘ Symphonie Nr. 5 Es-Dur op. 82 geprägt. Nordisches Waldrauschen, spukhaftes Trolltreiben in den Violinen und mittsommernächtliche Ausgelassenheit der Hölzer mit heimatverbundenem Hörnerschall sowie markigem Trompeten- und Posaunenglanz im Finalsatz gestalten dieses hörbar schwierig zu interpretierende Meisterwerk zu einem sehnsuchtsvollen Panoramagemälde mit dunklen Naturfarben. Trotz behutsamer Tempi testete Neil Fellows mit seinen allemal konzentriert agierenden Musikern hier ihre spieltechnischen Grenzen aus. Am Schluss gab es erlösenden Applaus für die wackeren nordischen Recken.

Werner Bodendorff