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1. Sinfoniekonzert am 13.11.2006

.1. Sinfoniekonzert
Montag, 13. November 2006 • 19.00 Uhr • Konzertsaal im Schloss
G. P. Telemann "Suite Burlesque",  "Don Quichotte"
J. Brahms Konzert für  Violine, Violoncello und Orchester in a Moll Op. 102 *
G. Bizet   Zwei Orchestersuiten aus der Oper „Carmen“
* Solovioline: Rüdiger Debus; Solovioloncello: Volker Bohnsack

 

Kieler Nachrichten von Mittwoch, 15.11.2006:

Wenn Musik einen Heidenspaß macht

Kiel – Wer das Sinfonieorchester am Ernst-Barlach-Gymnasium länger nicht gehört hat (zuletzt womöglich noch unter Robert König), fragt sich natürlich, wie es jetzt um Kiels führendes Jugendorchester steht. Ein solches Ensemble befindet sich ja von Natur aus in ewigem Wechsel.
Immerhin gibt es einige unverzichtbare Stützen bei Streichern und Bläsern, die zwar noch jung geblieben wirken, den Schüler- und Studenten-Status aber längst hinter sich gelassen haben. Um sie herum tummeln sich zur Zeit viele junge und ganz junge Musiker, die Beobachtern der Kieler Jugendmusik-Szene schon bei Schülervorspielen auffielen und bei "Jugend musiziert" begehrte Preise einheimsten: gute Voraussetzungen also fürs 1. Konzert der neuen Saison, das ein vielseitiges, aufgelockertes Programm bot.

In Auszügen aus Telemanns Suite Burlesque Don Quixotte gingen Streicher und Continuo-Cembalo gleich voll zur Sache. Da hatte man für die langsame Einleitung erfreulich viel, für den schnellen Hauptteil ziemlich viel rhythmische Präzision parat, ließ Dulcinea plastisch seufzen – mit höchstrichterlicher Erlaubnis historischer Aufführungspraxis hätte man da sogar ein bisschen mehr übertreiben dürfen – und setzte den Kampf gegen die Windmühlen rasant in Szene. All das war nicht zuletzt ein Verdienst des ermunternd-energisch dirigierenden Neil Fellows, der sich seinen Rippenbruch vom Vortag ebenso professionell wie tapfer nicht anmerken ließ.

Dann erweiterte sich das Ensemble zum romantischen Sinfonieorchester, um zusammen mit Kiels philharmonischem Konzertmeister Rüdiger Debus (Violine) und Volker Bohnsack (Cello) Brahms' Doppelkonzert zu musizieren. Unter Fellows konzentrierter Leitung, die auch für schöne Übergänge und akkurat ausgekostete Generalpausen sorgte, gelang das ebenfalls mehr als bloß respektabel. Vor allem in den ersten beiden Sätzen ergab sich ein gespanntes Musizieren, bei dem jede Partie um ihre Aufgabe im konzertant-sinfonischen Gefüge wusste. Die Solisten zeigten mit teils körnigem, teils seidigem Ton solistisches Profil, demonstrierten als Duo gute Abstimmung und trugen insgeheim weit mehr als nur ihren Pflichtanteil zum Zusammenhalt des Musizierens bei. Während Bläser und Geigen hier gelegentlich noch etwas vorsichtig blieben, wo die Tuttis das Äußerste fordern, da legten sie nach der Pause in den beiden Carmen-Suiten aus Bizets genialer Oper letzte Hemmungen ab. Ob es der selbstbewusste junge Klarinettist, mutige Oboen-, Flöten- und Hornspieler, strahlend-professioneller Trompetenklang, Schlagzeug-Drive, das feine Geigensolo oder zupackende Streichergruppen waren – man merkte in jeder Sekunde, dass Bizets Musik dem Orchester einen Heidenspaß machte. Den Zuhörern im Schloss auch – was sie laut und lange bekundeten.

Von Michael Struck