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1. Sinfoniekonzert am 17.11.2013

1. Sinfoniekonzert
Sonntag, 17. November 2013, 17.00 Uhr, Petruskirche Kiel-Wik
C. Saint-Saens   Danse Macabre op. 40*
A. Pärt   Cantus in Memoriam Benjamin Britten
G. Fauré   Requiem op. 48**
*Solistin: Swaantje Kaiser
**Solisten: Marie Luise Werneburg und Matthias Klein 

 

Kieler Nachrichten vom 19.11.2013

Mit morbidem Charme: Junge EBG-Kräfte in der Petruskirche

Kiel - Mit ungewohnt leisen Klängen zelebrierte das Sinfonieorchester des Ernst-Barlach-Gymnasiums vergangenen Sonntag im 1. Sinfoniekonzert unter der Leitung von Neil Fellows ein musikalisches Memento-Mori in der Petruskirche. Da mag dem einen oder anderen Zuhörer vor allem zu Pärts Cantus in Memoriam Benjamin Britten Hesses "Seltsam ist's, im Nebel zu wandern" durch den Kopf gegangen sein. Mahnende Glockenschläge vorab, dann ein zart anschwellendes, geheimnisvolles Streicher-Pianissimo, welches sich in kanonisch absteigenden Skalen und Anleihen an mittelalterliche Kirchengesängen zu einem sphärischen Klangteppich verwob: Pärts Tintinnabuli- ("Glöckchen"-)Stil schien hier aus der Stille zu entstehen und schließlich wieder in diese abzugleiten.
Ganz anders Fauré: Dieser wandelte 100 Jahre früher mit der Begründung, er habe die konventionellen Beerdigungsmessen "gründlich satt", auf formal-inhaltlich neuen Pfaden. Statt Todeskampf und Schmerz herrschen in seinem Requiem op. 48 gelassen-sanfte Elemente vor und manifestieren mit einem motivisch zentralen Gib ihnen Ruhe statt des obligaten Dies irae ein gewandeltes Todesbild. Trotz Detailtreue schien der Chor allerdings erst ab dem Sanctus aus der November-Depression zu erwachen und mündete deutlich konkreter als im unterspannten Domine zu einem versöhnlichen In paradisum. Solistisch überzeugte sowohl Matthias Klein mit gläsern strahlendem Bass als auch der überaus fragile Sopran Marie Luise Werneburgs.
In Saint-Saens Danse Macabre op. 40 zeigte sich der mittelalterliche Schreckens-Hymnus Dies irae hingegen als morbides Herzstück: So malte Swaantje Kaisers Solo-Violine eine im abgründigen Klanggerüst gehaltene, höhnisch ehrerbietige Charakterstudie, die ab und an effektvoll ins Sehnsuchtsvolle zu kippen drohte. Währenddessen schraubte sich das Instrumentarium mit beeindruckender Sogwirkung ins Unisono-Legato hoch, um den Spuk auf seinem ekstatischen Höhepunkt durch eine Hahnenschrei-Oboe schließlich schlagartig ins Nichts aufzulösen.

Elisa Meyer-Bohe