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1. Sinfoniekonzert am 18.11.2012

1. Sinfoniekonzert
Sonntag, 18. November 2012 • 19.00 Uhr • Petruskirche Kiel-Wik
J. Haydn   Sinfonie Nr. 73 D-Dur "La Chasse"
C. Ditters v. Dittersdorf   Kontrabasskonzert E-Dur*
B. Smetana   Vltava ("Die Moldau")
* *Solistin: Lucia Geißel

 

Kieler Nachrichten vom 20.11.2012

Tanzbass und Nixenreigen - Das Orchester am Ernst-Barlach-Gymnasium begeisterte in der Petrus-Kirche

Kiel – „Das Wichtigste steht nicht in den Noten“ soll Gustav Mahler einmal gesagt haben. Das Gros der Besucher des 1. Sinfoniekonzerts des Sinfonieorchesters am Ernst-Barlach-Gymnasium hätten dieses geflügelte Wort vergangenen Sonntag wohl sofort unterzeichnet.
Dort hieß es nämlich: Jugendliches Feuer, Ausdrucksstärke und Leidenschaft statt steriler Perfektion. Vor allem das Presto von Haydns Sinfonie La Chasse Nr. 73 wurde unter Neil Fellows‘ temporeichem Dirigat zu einem derart furios gearteten Jagdritt, dass man wahrlich den romantischen Freischütz-Blätterwald rauschen hören wollte. Dieser ganz besondere Surround-Klang konnte zuvor bereits im quicklebendigen Menuetto-Trio und im feierlichen (wenn auch intonatorisch nicht ganz schwindelfreien) Andante erlebt werden. Im Adagio hätte man sich dagegen etwas mehr rhythmische Akzentuierung gewünscht; hier und da wären auch die fein modulierten Trugschlüsse und Seufzer durch ein etwas beschaulicheres Tempo mehr zur Geltung gekommen. Dennoch: Mehrfacher Szenenapplaus für ein derart hohes spieltechnisches Niveau!
Eine besondere musikalische Delikatesse war auch Carl Ditters von Dittersdorfs Konzert für Kontrabass und Orchester in E-Dur. Hier bestach die Solistin Lucia Geißel – 1985 in Kiel geboren, zunächst vom Philharmoniker Heinz-Jürgen Wittstock ausgebildet und inzwischen in Bremen studierend – vor allem in den Solokadenzen des Adagios durch große technische Virtuosität. Auch konnte sie im Allegro dem eher schwerfälligen Instrument ein erstaunliches Maß an tänzerischer Leichtigkeit abgewinnen.
Mit ähnlicher Vitalität und tonmalerischer Ausdruckskraft meisterte das Orchester auch die Klippe, Smetanas Moldau vom altbekannten Flussdampfer zu einer von poetischer Lyrik gezeichneten Liebeserklärung an die tschechische Heimat zu entschlacken. Da gab es murmelnde Flötenmotivik, sprudelnde Streicher-Stromschnellen, einen anmutigen Nixenreigen im Mondlicht, tosende Untiefen (Kompliment ans Blech!) und schließlich ein strahlendes Prag-Dur (nur als Zwischenstation, versteht sich). Noch einmal branden die Wellen auf und verschwinden schließlich in der Ferne: Großer Applaus!

Elisa Meyer-Bohe